„Alles oder Nichts“ – In den Fängen der Spielsucht!

 

Der Titel verrät ja schon einiges über die wahre Problematik der Spielsucht, denn diejenigen, die damit zu kämpfen haben, taumeln ständig zwischen den beiden Extremen und verlieren sich schließlich in dem Nichts.

Der Lehrer Bernhard Hirsch an der Grund- und Mittelschule Ammersricht hatte über eine Broschüre des Gesundheitsamtes von der Möglichkeit erfahren, die Theatergruppe ReplayTheater e.V. an die Schule zu holen. Mit den eigenen Abschlussklassen und zwei interessierten 9. Klassen aus der Dreifaltigkeits-Mittelschule konnte man schnell auch die nötige Anzahl an Gästen zusammenbringen. Im Vorfeld gab es natürlich einiges zu organisieren, aber dank der guten Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsamt, das über einen großzügigen Zuschuss der „Sieglinde-Nothacker Stiftung“ ca. zwei Drittel der Kosten finanzierte, und dem guten Draht zwischen den beteiligten Schulen, konnten alle Fragen geklärt werden. In zwei Aufführungen wurde dieses wichtige Thema insgesamt über 100 Schülern nahegebracht und die Nachbesprechung zeigte, dass sie einhellig angetan waren von der Art der Umsetzung.

Das ReplayTheater vermittelt das Problemfeld Spielsucht in Form eines interaktiven Stücks, das mit Alex und Sascha zwei Protagonisten hat, die ausgesprochen überzeugend in ihren Rollen aufgehen.

 

 

Die beiden Mädchen sind von klein auf beste Freundinnen, doch Alex grenzt sich mehr und mehr von ihrer Umwelt ab, weil sie nur noch am Zocken ist. Anfangs am Handy, aber mehr und mehr auch in Casinos und an Automaten. Sascha sieht dem Treiben ihrer Freundin eher unbeteiligt zu, lässt sich aber bei einer Pokerrunde von dem „Glücksspiel-Virus“ anstecken. Auch sie verliert zunehmend den Bezug zu ihrer Umwelt, ihre Beziehung scheitert und die finanziellen Probleme lassen nicht lange auf sich warten. Auch weil sich Alex für ihre Spielsucht bei den falschen Leuten Geld leiht, die keinen Spaß verstehen, wenn nicht pünktlich zurückgezahlt wird. Die Spirale abwärts nimmt Fahrt auf...

 

 

So weit die Rahmenhandlung, bei der die Schüler der Ammersrichter Schule als Zuschauer fungierten. Aber parallel dazu wurden sie regelmäßig in die Handlung einbezogen, stellten in Standbildern Szenen und Erscheinungsformen der Spielsucht dar, fanden sich plötzlich in der Rolle der Schauspieler wieder und durchlebten deren Emotionen. Das Faszinierende dabei war, dass durch diesen indirekten Zugang eine starke Identifikation mit den Hauptfiguren passierte, die nahezu alle Schüler packte. Es wurde eifrig besprochen, Lösungswege diskutiert und in den Gesichtern erkannte man zunehmend die Betroffenheit über die Ausweglosigkeit der Situation – wenn man versucht, allein damit fertig zu werden.

 

 

Diese zentralen Erkenntnisse, nämlich der schrittweise Abstieg, die Hilflosigkeit des Einzelnen und die Notwendigkeit einer Unterstützung von außen, schlichen sich so quasi durch die Hintertür in die Köpfe der potentiellen Suchtopfer, der Schüler. Da gab es keinen erhobenen Zeigefinger, keine moralisierenden Ansprachen, sondern lediglich das Erleben, das Nachfühlen der Pathologie der Glücksspielsucht. In der End-Form findet sich schließlich kein Unterschied mehr zu stoffgebundenen Süchten, denn die Mechanismen sind die gleichen und die Folgen sowieso.

Diese Erfahrung konnte hoffentlich dazu beitragen, die Jugendlichen zu sensibilisieren, ihr eigenes Verhalten auch mal kritisch zu hinterfragen und im Zweifelsfall zu erkennen, dass es eine wichtige persönliche Kompetenz ist, die Grenze zwischen Vergnügen und Sucht genau zu kennen und zu beachten. Eine Veranstaltung, die man unbedingt auch anderen Schulen empfehlen muss!